Sake und die Götter: Die spirituellen Wurzeln von Nihonshu
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Key Takeaways:
- Sake ist im Shintoismus kein Genussmittel, sondern das Medium zwischen Mensch und Göttern (Kami).
- Rituale wie "Omiki" (Opfer) und "Naorai" (gemeinsames Trinken) sind bis heute lebendig.
- Die Zederkugel (Sugidama) vor der Brauerei ist ein direkter Draht zum Sake-Gott am Miwa-Berg.
Wenn wir heute eine Flasche Sake öffnen, denken wir an Sushi, Izakayas und Genuss. Doch das ist eine sehr moderne Sichtweise. Über 2000 Jahre lang war Sake in Japan vor allem eines: Ein heiliges Getränk. Ein Werkzeug der Kommunikation mit dem Göttlichen.
Um die Seele des Sake zu verstehen, muss man wissen: Reis ist in Japan nicht nur Nahrung, Reis ist Leben. Und Sake ist die Essenz des Reis. Damit ist er die reinste und wertvollste Opfergabe, die man den 8 Millionen Göttern (Kami) des Shintoismus darbringen kann.
Omiki: Der Trunk der Götter
Besuchen Sie einen Shinto-Schrein in Japan – egal ob den großen Meiji-Schrein in Tokio oder einen kleinen Dorfschrein. Sie werden fast immer Fässer mit Sake (Kazaridaru) sehen, die kunstvoll gestapelt vor dem Eingang stehen. Das sind Spenden von Brauereien, die um den Segen für eine gute Brausaison bitten.
Der Sake, der den Göttern am Altar in weißen Porzellankrügen geopfert wird, heißt Omiki (Miki = Alkohol, O = ehrenwert). Man glaubt, dass die Gottheit von dem Sake trinkt (bzw. seine Essenz aufnimmt). Doch der wichtigste Teil kommt danach: Naorai.
Naorai: Das gemeinsame Mahl
Nach dem Ritual wird der Opfer-Sake nicht weggeschüttet. Er wird von den Priestern und den Gläubigen getrunken. Die Idee: Der Sake war im Kontakt mit dem Gott. Wenn wir ihn jetzt trinken, nehmen wir die Kraft und den Segen der Gottheit physisch in unseren Körper auf. Sake verbindet Menschen und Götter.
San-San-Kudo: Der Hochzeitsbund
Diese spirituelle Bindekraft sieht man auch bei der japanischen Hochzeit (Shinto-Stil). Es gibt kein "Ja-Wort" und keinen Ringtausch als zentrales Element. Der Bund wird schweigend durch Sake besiegelt.
Beim Ritual San-San-Kudo (3-3-9) trinken Braut und Bräutigam abwechselnd aus drei verschieden großen, flachen Schalen (Sakazuki).
Jeder nimmt drei kleine Schlucke aus jeder Schale. 3 x 3 = 9. Die ungerade Zahl gilt als Yang (Glück). Mit diesem Ritual werden nicht nur die Eheleute, sondern auch ihre Familien spirituell verbunden. Ein Schluck besiegelt das Schicksal.
Die Sugidama: Das Zeichen des Gottes
Haben Sie schon einmal die großen braunen oder grünen Kugeln gesehen, die vor dem Eingang traditioneller Sake-Brauereien hängen? Das ist eine Sugidama (Zeder-Kugel). Sie besteht aus den Zweigen der Sugi-Zeder.
Die Zeder ist der heilige Baum des Gottes O-Miwa, der am Berg Miwa lebt und als Schutzpatron des Sake gilt. Jedes Jahr, wenn der neue Sake fertig ist (im Winter), hängen die Brauereien eine frische, grüne Sugidama auf. Das signalisiert den Kunden: "Der neue Sake ist da!". Über den Sommer trocknet die Kugel aus und wird langsam braun. Das zeigt an, wie weit der Sake im Inneren der Brauerei gereift ist. Wenn die Kugel braun ist, ist der Sake perfekt gereift (Hiyaoroshi).
Sake-Brauen ist in Japan also immer auch ein bisschen Gottesdienst. Wenn Sie das nächste Mal anstoßen, denken Sie daran: Sie trinken gerade "Götter-Nektar".
Kanpai!