Kimoto & Yamahai: Der wilde Geschmack der Tradition

Kimoto & Yamahai: Der wilde Geschmack der Tradition

Key Takeaways:

  • Zurück zu den Wurzeln: Kimoto und Yamahai sind die "Bio-Sakes" der Brauwelt. Hier wird keine Milchsäure zugesetzt, sondern natürlich gezüchtet.
  • Der Prozess: Es ist ein riskanter, handwerklicher Kraftakt, der doppelt so lange dauert wie moderner Sake.
  • Der Geschmack: Wilder, erdiger, säurebetonter ("Funky"). Perfekt für Fans von Naturwein und komplexen Aromen.

In der modernen Sake-Welt dominiert Reinheit. Ginjo und Daiginjo sind oft kristallklar, fruchtig und makellos. Doch es gibt eine Gegenbewegung. Eine Rückbesinnung auf die Zeit vor der Industrialisierung. Wenn Sie auf einem Etikett die Worte "Kimoto" oder "Yamahai" lesen, halten Sie einen Sake in der Hand, der Ecken und Kanten hat. Einen Sake mit Seele.

Doch was bedeuten diese Begriffe? Es geht nicht um die Reissorte, sondern um den wichtigsten ersten Schritt beim Brauen: Den Hefe-Starter (Moto).

Das Problem: Der Kampf gegen Bakterien

Um Sake zu brauen, muss man erst die Hefe vermehren. Hefe ist jedoch eine Diva. Sie ist empfindlich und wird leicht von wilden Bakterien und Keimen überwuchert, die den Sake verderben würden. Die Waffe des Brauers dagegen ist Säure. Milchsäure tötet Bakterien ab, lässt die Sake-Hefe aber überleben.

Die moderne Methode (Sokujo)

Erfunden um 1910. Der Brauer kauft eine Flasche reine Milchsäure und kippt sie in den Tank. Das ist sicher, schnell (2 Wochen) und ergibt einen sauberen, standardisierten Geschmack. Über 90% aller Sakes werden heute so gemacht.

Die traditionelle Methode (Kimoto & Yamahai)

Bis 1910 gab es keine künstliche Milchsäure. Der Brauer musste warten. Er schuf Bedingungen (kalt und feucht), unter denen natürliche Milchsäurebakterien (Laktobazillen) aus der Luft in den Tank fielen und sich vermehrten. Erst wenn der Tank sauer genug war, konnte die Hefe arbeiten. Das dauert 4 Wochen, ist riskant und erfordert enormes Können.

Kimoto: Der Tanz der Stangen (seit 1700)

Kimoto ist die Ur-Form. Um den Prozess zu starten, mussten die Brauer den Reis, das Wasser und den Koji zu einem Brei verarbeiten, damit die Enzyme schneller arbeiten.

Dazu standen die Brauer in der eisigen Kälte des Winters um kleine, flache Bottiche und rammten stundenlang mit langen Holzstangen ("Kai") in die Mischung. Dieser Prozess heißt Yama-oroshi. Es ist eine extrem harte körperliche Arbeit, die oft rhythmisch im Takt von speziellen Brau-Liedern ausgeführt wurde, damit alle synchron stoßen.

Yamahai: Die wissenschaftliche Revolution (1909)

Anfang des 20. Jahrhunderts fanden Forscher heraus: Das kraftraubende Rammen ist gar nicht nötig. Die Enzyme im Koji lösen den Reis auch von ganz alleine auf, wenn man die Temperatur im Tank geschickt steuert und den Koji etwas wärmer hält.

Man konnte das Rammen ("Yama-oroshi") also beenden ("hai" = Stopp/Abschaffung). Yama-oroshi + Hai = Yamahai. Es ist im Prinzip dieselbe biologische Methode wie Kimoto (natürliche Milchsäure), nur ohne den Sport.

Wie schmeckt das und wozu passt es?

Warum machen sich Brauereien heute noch diese Mühe, wenn man Säure einfach kaufen kann? Wegen der Komplexität.

Bei der modernen Methode (Sokujo) gibt es nur eine Säure. Bei Kimoto/Yamahai ist der Tank über Wochen ein Schlachtfeld verschiedener Mikroben (Nitrat-reduzierende Bakterien, wilde Hefen, Laktobazillen), bevor die Sake-Hefe übernimmt. All diese Mikroben hinterlassen Spuren im Geschmack.

Das Aromaprofil:

  • Mehr Säure: Die Sakes haben mehr "Biss" und Struktur.
  • Funky & Wild: Noten von Joghurt, Pilzen, Erde, Nüssen, Wildbret oder Käse.
  • Tiefe (Umami): Sie schmecken "breiter" und fülliger.

Food Pairing Tipp:
Diese Sakes sind zu mächtig für leichtes Sushi. Trinken Sie sie zu:

  • Käse (Comte, Parmesan)
  • Gegrilltem Fleisch oder Wild
  • Eintöpfen und cremigen Saucen
  • Warm getrunken (Kan-zake) sind sie im Winter unschlagbar, da die Wärme die erdigen Noten öffnet ("wie eine warme Decke").

Wenn Sie Fans von Naturwein (Natural Wine), belgischem Sauerbier (Lambic) oder kräftigem Rotwein sind, ist Yamahai Ihr Sake.

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